Festansprache

Rolf Ziebolz

Die CORONA MUSICA - eine Erfolgsgeschichte.

Meine lieben Musikerinnen der „CORONA MUSICA“,
sehr verehrte Frau Höfer, liebe Helga,
sehr geehrte Frau Stellvertretende Bürgermeisterin, Frau Boldt-Hübner,
sehr geehrte Festgäste des heutigen Jubiläumstages

Über deine so herzliche Einladung, Helga, habe ich mich sehr gefreut und habe - so glaube ich mich zu erinnern - nur einen kleinen Augenblick gezögert, deinem Wunsch zu entsprechen, vor den Besucherinnen und Besuchern dieses Festkonzertes zu sprechen. Dies - obwohl ich im Sprechen für einen solchen Anlass mit Sicherheit weniger geübt bin als zu musizieren oder zu dirigieren.

Ich beginne mit einem Zitat:

„Ein volles Haus am Sonnabendabend - das war wohl die schönste Anerkennung für die Damen des Ensembles „Corona Musica“ aus dem Münsterland. Der Hayungshof in Dunum war in stimmungsvolles Licht getaucht und vermittelte eine sehr schöne Kulisse, in der sich die zahlreichen Zuhörer wie auch die Instrumentalistinnen sichtlich wohl fühlten.“

Dies - meine sehr geehrten Zuhörerinnen und Zuhörer - ist das aktuellste, das letzte und damit frischeste Zitat, das ich Ihnen heute aus einer Zeitung mitbringe. Es ist aus der Kritik des Konzertes am vorletzten Wochenende unserer Jubiläums-Corona. Die Damen des Ensembles sind sozusagen „soeben“ zurückgekehrt von drei erlebnisreichen und erfolgreichen Konzerten in Ostfriesland.

In ihrem Gepäck hatten sie mehrere Programme, eines davon hieß „Kennen Sie Rut?“ Ich möchte nun heute als Motto diese Konzertüberschrift etwas verändern und Sie, verehrte Gäste, fragen:

„Kennen Sie die Corona-Musica?“
 - und ich frage Sie - frei nach einem weiteren Konzert-Titel der „Corona“
„Lust auf eine kleine Reise?“

Ich nehme Sie nun mit auf eine - wenn auch kleine, kurze - Geschichts- und Informationsreise durch 40 Jahre.

Im November 1970 wurde das Ensemble aus den musikalischen Zusammenkünften anläßlich des „Tages der Hausmusik“ sozusagen gegründet. Wir dürfen annehmen, dass die Idee dafür im Kopf von Helga Höfer schon „fertig“ geplant war.

Hierbei möchte ich noch erwähnen - es sind ja nicht alle Besucher dieses Festkonzertes über alles informiert, was mit dem Musizieren in der damaligen Gemeinde Appelhülsen zusammenhing - also: ich möchte hier erwähnen, dass Appelhülsen im Jahre 1971 über eine eigenständige Musikschule verfügte mit vielen Ensembles. Die Leiterin unseres heutigen Jubel-Ensembles war seinerzeit  - und hauptsächlich - die Schulleiterin der Musikschule Appelhülsen. Zusammen mit ihrem Mann Harry, dem Komponisten und Professor an der Musikhochschule Münster, leitete sie eine der kleinsten, aber sehr leistungsfähigen und agilen Musikschulen Deutschlands. Ich selbst hatte in diesen Jahren erleben dürfen, wie aktiv das Musikschulleben in Appelhülsen funktionierte.

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Kommen wir wieder auf das neu gegründete Ensemble zurück.

Ich zitiere aus der Festschrift zum 20-jährigen Bestehen der Corona Musica.

„Es war nach den Sommerferien 1970.
Unsere Kinder hatten bei Frau Höfer Klavier- bzw. Blockflötenunterricht. Eines Tages kamen sie aufgeregt nach Hause und sprudelten heraus: “Frau Höfer weiß, dass ihr auch Blockflöte spielt. Im November, am ‘Tag der Hausmusik’ sollen wir miteinander musizieren!”

Es wird weiter davon berichtet, wie Helga Höfer es verstand, die Mütter zu überzeugen, die Blockflöte wieder in die Hand zu nehmen und sie zum Mitmachen zu motivieren. Dann lesen wir, wie erfolgreich das beeindruckende Erlebnis des Zusammenspiels auf die Eltern bzw. Mütter wirkte.

Am 25. November 1970 schrieb die Zeitung:

Viel Beifall gab es in der ‘Hausmusikstunde’ der Jugendmusikschule Appelhülsen...“

Helga Höfer, die in Münster die Fächer Blockflöte und Klavier studiert hat, integrierte damit den Spielkreis im Januar 1971 an ihrer Schule. Die Mitgliederanzahl stieg schnell an, so dass man schon bald von einem Orchester sprechen konnte.
Das musikalische Niveau - sagen wir genauer: das spieltechnische Niveau der damaligen Teilnehmer war verständlicherweise noch(!) relativ gering: es war eben das, was noch aus Jugendtagen erhalten war. Begonnen wurde mit kleinen, zweistimmigen Stücken, bald wechselten einige Teilnehmer über zum Spiel auf der Altflöte. Der Übergang und das Spielen auf die Bassflöte war nach einer Weile nun auch kein Problem mehr.

Bereits im Jahre 1972 wirkte der Spielkreis beim Jahreskonzert der Musikschule Appelhülsen mit. „Das war ein frohes Musizieren bei der folkloristischen Reise um die Welt“, schrieb die Zeitung anschließend und lobte auch den als Reiseleiter fungierenden Harry Höfer, der „die bunte Musikanten-Gesellschaft launig und sachkundig per Bahn, Schiff und Flugzeug von Land zu Land führte.“

Im Rahmen der Musikschulveranstaltungen folgten viele weitere Auftritte des Spielkreises, der immer mehr Beachtung erhielt. Oder anders ausgedrückt: Er erlangte immer mehr Beliebtheit.

Im Dezember 1978 schrieb der Kritiker H. Schmitz über das Jahresabschlußkonzert der Musikschule Appelhülsen:
„Der Erwachsenenspielkreis stellte sich mit einer Allemande und zwei Fugen vor. Routiniert begannen sie mit einer Jenkins-Allemande. Die breit angelegte Basis der tiefen Flöten ergab einen guten Gesamtklang, die kontrapunktische Melodieführung wurde dadurch perlklar erkennbar. Diese ausgewogene Besetzung - die virtuos gespielten Sopranflöten nicht zu vergessen! - tat auch den Fugen von Scheidemann und Bach gut.“

Musiziert wurde in wechselnden speziellen Besetzungen, so z.B. auch unter Einbeziehung von Renaissance-Instrumenten. Im Laufe der Zeit wurden nämlich immer weitere Instrumente wie Cornamusen, Krummhörner und große Bassinstrumente angeschafft und zur klanglichen Bereicherung eingesetzt.

Diese Instrumente sind, auch wenn es historische Nachbauten sind, enorm teuer. Wissen Sie, was z.B. eine Bassblockflöte kostet? Und fast jede Spielerin hat ein solches Instrument, dazu - selbstverständlich eine Tenor- Alt - und Sopranblockflöte, meistens auch noch ein Sopranino. Wir erleben es ja heute selbst, welcher Reichtum an Instrumenten bei jeder einzelnen Spielerin vorhanden ist. Ich möchte hier auch ansprechen - das haben meine Recherchen ergeben - dass viele dieser historischen Instrumente (Cornamusen und Krummhörner) von Höfers privat finanziert wurden, aber ebenso wurden nach und nach viele Instrumente von den Mitgliedern der CORONA MUSICA privat gekauft. Das finanzielle Engagement war und ist sehr groß, was die Mitglieder für ihr „Freizeithobby“ ausgeben.

Weiter: Jede Dame des Ensembles tritt auch persönlich ein für die Finanzen der Gruppe! Es gibt keine Zuschüsse der Gemeinde oder des Landes. Jede zahlt selbst für jede Anfahrt, für alles. Auch für die jährlichen Probenwochenenden und Fahrten zu Konzerten, auch solchen im Ausland.

Eine kurze Ausführung zum oft genannten Begriff „Renaissance“: Weil hier aber so viele musikalische Fachleute sitzen von den Musikvereinen, muss ichdarübe nicht viel sagen, nur so viel:
Die Renaissance ist nicht nur in der Malerei eine wichtige Zeit, sondern ganz besonders in der Musik. Die musikalische Renaissance hat ihre große Zeit im 15./16. Jhd.  Die Musik begann sich in dieser Epoche so richtig zu „emanzipieren“, entwickelte sich  bis in die Barockzeit zu der Musik, wie wir sie kennen. Die Mehrstimmigkeit gelangt zu hoher Blüte. In dieser Zeit entwickelt sich der Instrumentenbau; es entstehen viele neue und auch originelle Instrumente, insbesondere Blasinstrumente. Ein weiteres Stichwort: „Mehrchörigkeit“ - Aufteilung der Instrumente auf mehrere Klanggruppen, die räumlich verteilt musizierten, wurde zu einem beeindruckenden neuen Klangideal, insbesondere mit vielen neuen und bereits vorhandenen Blasinstrumenten.

Dieses Klangbild „überbringt“ uns CORONA MUSICA in ihrem Spiel, demonstriert und transportiert es uns in unsere Zeit. Wichtig dabei: Es wird vornehmlich möglichst Originalmusik gespielt. Natürlich sind diese Instrumentalistinnen nicht die einzigen, aber - es ist ein Ensemble, das diese Musizierkunst - diese Spielkultur - sehr anschaulich serviert. Was mich dabei sehr beeindruckt: Die Gruppe studiert in richtiger und kompetenter Art ihre Musik und musiziert sie „ehrlich“ - angeleitet, verantwortungsvoll einstudiert durch Helga Höfer. Das Ensemble braucht nicht ein einziges Mal dafür ein modernes elektronisches Instrument. (Hier muss natürlich unterschieden werden zwischen der Interpretation wirklicher alter Musik-Schätze der Renaissance- und Barockzeit und moderner Literatur, die ja das Ensemble bekanntlich auch kompetent reichhaltig im Repertoire hat.)

Das ist Musizierkultur - nicht dargeboten von studierten Profi-Instrumentalisten, fern in Konzertsälen oder im Fernsehprogramm - sondern hier in einem kleinen westfälischen Ort. Musizierfreude, mit Leidenschaft und Hingabe einstudiert von Laienmusikerinnen. (E
ine kleine Anmerkung: wenn ich über 40 Jahre zurückblicke, waren auch immer wieder Männer als Ensemblemitglieder dabei!)

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Wir machen weiter in unserer Zeitreise

Am 23. Dezember 1980 hieß es in den „Westfälischen Nachrichten“: „Werke von Komponisten des Barock trug der Blockflötenspielkreis vor, zweitweise verstärkt durch Holzbläser und Streicher. Selten dürfte man Gelegenheit haben, ein Bicinium für Gemshörner zu hören. Lioba Gellenbeck und Helga Höfer bliesen diese interessanten Instrumente, die durch ihren sehr weichen Klang faszinierten“.

Aber nicht immer war die Akzeptanz der Bevölkerung so gut, denn im Jahre 1981 hieß es in der Zeitung: „Das Weihnachtskonzert der Musikschule litt (wieder) unter geringem Interesse der Bevölkerung. Den 45 aktiven Musikanten standen nur etwa ebensoviel Zuhörer gegenüber.“ Meine Meinung dazu: Das lag sicherlich daran, dass an diesem Termin zu viel los war in Nottuln, Appelhülsen und Umgebung.

Im Jahre 1984 berichtet die „Münstersche Zeitung“: „Nach den Worten Helga Höfers ist sie besonders stolz auf die Existenz des Spielkreises für Erwachsene, in dem zur Zeit 15 Erwachsene Blockflötenliteratur aller Schwierigkeitsgrade musizieren.“ Damit stehe die Musikschule Appelhülsen ziemlich weit vorne, denn nicht einmal die Musikhochschule Münster könne eine solche Formation vorweisen.

Der Gemeinschaftssinn der CORONA MUSICA
Ein wichtiger Aspekt galt schon damals und zeichnet auch heute das Ensemble aus:
Die Mitglieder - heute sage ich - die Frauen - halten zusammen, sie sind eine „musikalisch eingeschworene Gruppe. Es gibt keine „Cliquenwirtschaft“. Seit 40 Jahren sind sie eine selten harmonische Gemeinschaft; man hört, dass es niemals Streit gab! Wo gibt es so etwas? Die Frauen treten füreinander ein.

Die Proben
Ich habe mir sagen lassen, dass es ein „ungeschriebenes Gesetz“ gibt. Proben der CORONA MUSICA haben immer Vorrang. Auch Geburtstage als Hinderungsgrund - gelten nicht, wenn es heißt: Es ist Corona-Probe!

Weiter auf der Zeitreise:
Im April 1985 wurde eine Konzertreise nach Frankreich gemacht, die dem Ensemble wertvolle Erfahrungen über unsere musizierenden westlichen Nachbarn bescherten. Man liest: „Bei der Gestaltung einer Messe wurde das auftretende Gemshornquartett durch Applaus nach der Messe zu einem „da capo“ gezwungen.“

Auch nach Bayern (!) wagte sich das Orchester hin: Eine bayerische Kirchengemeinde hatte im Jahre 1986 das Ensemble eingeladen, um eine feierliche Glockenweihe zu beschließen. Es wird berichtet: „Das bayerische Publikum klatschte langanhaltend und begeistert“ - und es ist weiter zu lesen, dass die neuen Glocken - ohne dass es geplant war - am Schluss des Konzertes ihr feierliches Geläut begannen. Man erfuhr, dass es einen „Computerfehler“ gegeben habe!

Ein einschneidendes Ereignis
Dann, im Jahre 1988, kam das Aus für die Musikschule Appelhülsen. In der voll besetzten Turnhalle der Marienschule begrüßte Helga Höfer die zahlreichen Gäste zum 21. und letzten Abschlusskonzert, denn die Schule ging nach 22 Jahren qualifizierter Arbeit in die kommunale Trägerschaft über. (Nicht mehr „Musikschule Appelhülsen“ sondern es sollte von da an „Musikschule Nottuln“ werden!) Auch hierbei war die CORONA MUSICA vertreten, ebenso wie das von Helga Höfer gegründete Blockflötenquartett, in dem sie selbst gerne mitspielte. So schwärmte der Kritiker: „Es war genußvoll, den vier Spielern bei den schwedischen Volkstänzen zuhören zu können“.

Bei zahlreichen Anlässen konzertierte die CORONA, so unter anderem auch in Gemen, wo es in der Presse hieß: „Gewaltiger Sub-Baß oder fingerlanges Gemshörnchen. Akustisches Vergnügen: „Corona Musica“ zeigte Vielseitigkeit alter Instrumente“.

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Zum 20-jährigen Bestehen im Jahre 1991 hatte das Ensemble wiederum in dieses schöne Haus, ins „Bürgerzentrum Schulze Frenking“ Appelhülsen zum Konzert und Empfang eingeladen. In einem Vortrag berichtete Professor Harry Höfer über die „Arbeit und Bedeutung der Corona Musica“. Im musikalischen Teil des Programmes wurde das eigens für dieses Jubiläum komponierte Stück „moments musicaux“ von Harry Höfer uraufgeführt. (Anm. zur Besetzung: „Von der winzigen Sopranino bis zum fast zwei Meter langen Großbass sowie die Beigabe von einigen Schlaginstrumenten“ (Rühr- und Schellentrommel, sowie Becken)). Jedes „Moment“ sei eine Art Eigenschaftsschilderung des Orchesters, liest man in der Zeitung. Weiter heißt es:„Die Interpretation wurde dadurch besonders interessant, dass Helga Höfer das Schlagwerk betreute und der Komponist seine Uraufführung selber dirigierte. (Zitat Ende). Der seinerzeit anwesende emeritierte Dekan der Musikhochschule Münster, Professor Hans Joachim Vetter (der Lehrer von Helga Höfer) lobte das hervorragende Musizieren der CORONA MUSICA: (Zitat) „Ein Blockflötenorchester wie die CORONA MUSICA sei im gesamten Verband der Musikschulen nicht häufig zu finden.“

Zahlreiche Hauskonzerte gab es im Hause Höfer, bei der auch immer wieder die CORONA MUSICA eine wichtige Rolle spielte.

Eine enge Zusammenarbeit gab es mit dem ehemaligen Schüler Helga Höfers, Thomas Drees, der auch Lehrer an der Musikschule Apelhülsen war, jetzt Kantor und Chorleiter und seinen Ensembles „Chorus Cantemus“ und dem von ihm gegründeten Kinder- und Jugendchor „Steverlerchen“.

Bei vielen lokalen Ereignissen hat die CORONA MUSICA sich engagiert, so z.B. auch für den Verein „Herzenswünsche“, dem man am Ende eines Konzertabends die stolze Summe von 2873 D-Mark übergeben konnte.

Besondere Würdigung
Im Jahre 2004 bekam Helga Höfer zu ihrem 70. Geburtstag von ihrer CORONA ein ganz besonderes Geschenk: Drei gemeinsame Tage in Leipzig.

Ein tief beeindruckendes Erlebnis für die Gruppe und besonders für Helga Höfer war das Musizieren in der Thomaskirche - am Grab von Johann Sebastian Bach!
Erlebnis- und musikreiche Tage verbrachten die Mitglieder in diesen Tagen auch in anderen Städten auf Bachs Spuren.

RUT
Als ein besonderes Anliegen der Gruppe kann man die Geschichte einer biblischen Frau erahnen. Mehr als - geschätzt - 15 Mal wurde in Konzerten gefragt: “Kennen Sie Rut?“ Ich stellte diese Frage ja schon zu Anfang. Die Geschichte dieser Frau, die vor 3000 Jahren lebte und über deren Leben die Bibel berichtet, ist eingebettet in einen musikalischen Rahmen, der eindrucksvoll auf Flöten, Gemshörnern, Krummhörnern und Cornamusen interpretiert wird. Die Texte, gelesen von Anne Bertels, im Zusammenklang mit der Musik lassen die Geschichte zu einem einzigartigen Erlebnis werden.
Davon konnten sich auch die Zuhörer an der Nordseeküste überzeugen. Ich erzählte ja bereits am Anfang vom diesjährigen Jahresausflug der CORONA nach Ostfriesland, wo das Ensemble drei Konzerte gab und sich dadurch eine neue Fangemeinde geschaffen hat.

Hier komme ich ganz kurz ins Spiel. Eine jahrzehntelange nicht nur musikalische Freundschaft verbindet mich mit dem Hause Höfer. (Ich erwähne hier voll Dankbarkeit, welche wertvollen Impulse ich durch Professor Harry Höfer erhielt, als ich in Münster an der MSH ein weiteres Examen in meinem Musikerberuf absolvieren konnte.)
Im Frühjahr bis zum Herbst 2010vertrat ich die erkrankte Helga Höfer. Ich tat dies sehr gerne und so ist mir die CORONA MUSICA nicht nur wegen ihres engagierten und fachkundigen Musizierens, sondern auch besonders wegen (eurer) der herzlichen Gemeinschaft - ans Herz gewachsen. Es war mir daher eine große Freude, euch an meinem jetzigen Wohnort zu eurer dreitägigen Konzertreise begrüßen zu dürfen. Die Tage und die Konzerte waren erfolgreich und wunderschön.

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Bleibt mir nun noch das Wichtigste:
Etwas zu berichten über die Leiterin dieses Ensembles: Helga Höfer. Vieles wurde chronologisch ja schon über sie gesagt. Es gibt aber vieles, was ich unbedingt ergänzen möchte:

Sie ist nicht nur die Dirigentin mit dem Taktstock bzw. mit der Takthand, sie ist weit mehr: Sie hält mit ihren Ideen, mit ihrer Musizierfreude und mit ihren Planungen - musikalisch und organisatorisch - die Gemeinschaft zusammen. Sie ist langjährige Begleiterin vieler Mitglieder, die ihre Schülerinnen waren - oder- die als Eltern immer schon Kontakt hatten mit der Musiklehrerin ihrer Kinder.

Ich hatte öfter die Gelegenheit, Helga Höfer beobachten zu können beim Musizieren und Agieren als musikalische Leiterin, aber auch als Beraterin der Corona. Ich sage bewusst „Beraterin“, weil sie sich niemals aufdrängt oder „anordnend“ wirkt. Das entspricht nicht ihrem Wesen.

Sie hat genau die richtigen Eigenschaften: Sie ist ausgleichend, sie stellt Ansprüche, fordert sie ruhig und freundlich ein, lässt sich nicht beirren, wenn es um musikalische Klarheit geht; dennoch berät sie sich über die Inhalte des Musizierens bzw. der Programme mit ihren Orchestermitgliedern. Sie beherrscht die wichtige Spielregel der Demokratie: zu fragen, so dass alle zufrieden sind mit dem, was Helga will und was musiziert werden soll.

Sie hat musikalischen Spürsinn, gepaart mit reichhaltiger Erfahrung bei der Auswahl von Spielstücken. Sie traut sich auch an die Grenze der Virtuosität des Ensembles zu gehen und fordert dessen ganzes spieltechnisches Können. Sie „serviert“ ihren Mitspielerinnen Noten, die anspruchvoll sind und ebenso für das Publikum ansprechend. Eine gesunde Mixtur aus Altem, Originalem und moderner Literatur, selbstverständlich darunter häufig Launiges und Lustiges.  Das alles trug dazu bei in den vergangenen 40 Jahren, dass das Ensemble bei der Interpretation der verschiedenen Musikstile erfahren, ja reif geworden ist. Das kommt auch so bei den Zuhörerinnen und Zuhörern an. Die Konzertbesucherinnen und - besucher sind jedesmal angetan. Die CORONA MUSICA ist im besten Sinne einfach routiniert.

Apropos Routine: Hierzu berichte ich euch von einem kleinen Erlebnis, von dem mir Hildegard Breede berichtet:
„Wir haben einmal ein Konzert in einem kleinen Kloster gegeben, so klein, dass es der Busfahrer erst nach längerem Suchen fand. Das Konzert lief ab. Es wurde dämmrig. Wir stellten da erst fest, dass es kein elektrisches Licht gab, und es war noch eine ganze Menge auf dem Programm. Wir wurden ganz schön nervös - bis auf Helga. „Das schaffen wir schon,“ sagte sie und gab Gas. die Tempi wurden mörderisch, aber im letzten Dämmerlicht waren wir fertig.“
Das nenne ich musikalische Routine!

Von Anbeginn - also nun auch 40 Jahre, so habe ich es erfahren - sind mit der Leiterin Helga Höfer auf dem Weg zu der heutigen CORONA MUSICA dabei: Gretel Gellenbeck, Gerda Maas und Irene Rulle.
Auch ihnen muss ein ganz herzliches Danke gesagt werden für 40 jährige Treue.

Aber allen Spielerinnen und Spielern, ob sie noch dabei sind oder nicht mehr, möchte ich in aller Namen ein großes Kompliment machen und – stellvertretend für alle Zuhörerinnen und Zuhörer - Dank sagen für ihren wöchentlichen regelmäßigen Einsatz, für die unendlich vielen Proben, Sonderproben, Fahrten und Kosten, die alle einem Ziel dienten und dienen: Freude an der Musik zu haben und diese Freude uns, den Zuhörerinnen und Zuhörern weiterzugeben und uns zu begeistern.

Am Schluss möchte ich Helga Höfer beglückwünschen zu ihrem ganz besonderen Ensemble. Ihrer Arbeit, ihrem Einsatz und ihrer Menschlichkeit ist es zu verdanken, dass die CORONA MUSICA über Jahrzehnte den Menschen Gefallen an der Musik geschenkt hat.

Ich wünsche allen Spielerinnen und ihrer Leiterin noch viele weitere schöne  musikalische Erlebnisse und immer die Freude, uns zu erfreuen!

Am Schluss habe ich noch ein Zitat:

„Es ist nicht erforderlich, Musik zu verstehen. Man braucht sie nur zu genießen.“
Das waren übrigens die Worte des amerikanischen Dirigenten Leopold Stokowski.*

Dem schließe ich mich vorbehaltlos an. Darum habe ich es gewagt, heute vor euch und Ihnen zu sprechen. Und ich möchte Ihnen und euch herzlich und mit Freude bestätigen: Es ist immer ein Genuss, eurer Musik zu lauschen.

Macht weiter so! Hoch lebe unsere CORONA MUSICA!

Herzlichen Glückwunsch zum wohlverdienten Jubiläum!

Ich danke Ihnen / ich danke euch für die Aufmerksamkeit, mir zugehört zu haben.

 

*Leopold Stokowski (1882-1977), amerik. Dirigent

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